“Mullu Mullu”-Beitrag zum Fanboytum

Neulich habe ich beim Stöbern durch dieses Internetz einen Artikel bei Caschys Blog gesehen. Genauer geht es um seinen Artikel “Von Veganern und Android-Nutzern”. Kritisiert wird hier, dass Besitzer eines Android-Smartphones Verhaltensweisen angenommen haben, wie sie sonst klischeeweise bei Apple-Usern vertreten waren.

Ich lese Caschys Blog eigentlich täglich. Nicht wegen der News, die bekomme ich woanders auch schneller und objektiver. Ich mag aber vor allem seine Artikel, in denen er Tipps gibt, neue Geräte vorstellt und/oder sie testet. Seine Reviews zum Galaxy Nexus oder zum MacBook Pro mit Retina-Display fand ich sehr gut. Ich lese ihn weniger wegen der News, sondern mehr wegen der Meinungen, nicht wegen Praxis-Tests, sondern wegen Alltags-Tests. Reviews mit Stempel, sozusagen.

Aus diesem Grund hat mich sein oben genannter Artikel doch etwas enttäuscht. Im Real Life, am Stammtisch unter Freunden, kommen desöfteren Android- und iOS-Nutzer zusammen. Da wird auch mal die ein oder andere Stichelei ausgeteilt, aber dann kommen ein, zwei dumme Kommentare von beiden Seiten und dann ist auch wieder gut. Dort meint man es nicht todernst, sondern frotzelt nur ein wenig. Man lacht darüber.

 

In der virtuellen Welt sieht das Ganze ein wenig anders aus. Wenn eine Apple-News veröffentlicht wird liest man darunter ne Menge Kommentare von Apple-Hatern, die in diesem Moment nichts besseres zu tun haben als eine “Diskussion” zu starten, meist dann noch mit wenig stichhaltigen Argumenten wie “bei XY geklaut, Apple ist scheiße”. Aber ist das umgekehrt nicht genauso? Ich würde die These aufstellen, dass es andersrum genauso ist.

Kriege zwischen Fanboys sind nicht neu. Opel gegen VW, PS3 gegen Xbox360, Citylife gegen gemütliches Dorfleben und und und. Nur bei iOS gegen Android wird dieser Kampf in einer bis dahin unerreichten Dimension ausgetragen, weil sowohl Apple als auch Google täglich im Fokus der Nachrichten stehen. Technik wird immer wichtiger, das mobile Leben wird immer wichtiger. Immer, wenn ein Konzern eine Neuheit vorstellt, bietet sie (mehr oder weniger große) Angriffsflächen für die Gegner dessen. Ich will das Ganze gar nicht irgendwie verteidigen oder gutheißen, aber: Es ist nichts neues. Nur erlebten wir es in dieser Extreme bis dato noch nicht.

Wo genau liegt jetzt genau das Problem mit dem oben genannten Beitrag? Caschy ist, wie er auch selbst von sich sagt, in erster Linie Technik-Fan. Ich schätze ihn auch als ziemlich “neutral” ein, was die Frage zwischen Android und iOS angeht. Ich zu meiner Person kann an dieser Stelle sagen dass ich bis vor wenigen Wochen noch Nutzer eines iPhones war, es dann für ein Nexus wieder hergegeben habe und nun leihweise doch wieder ein Smartphone von Apple in den Händen halte. Ich vermisse mein Nexus. Heute ziehe ich Android iOS vor. Ich werde mich jetzt aber nicht gegen iOS einschießen, denn ich ändere meine Meinung bei sowas ziemlich schnell. Ich sehe in beiden System ihre Vor- und Nachteile und nutze das System, was zum aktuellen Zeitpunkt besser zu mir passt.

Kommen wir zum springenden Punkt: Wo ist Caschys Neutralität in diesem Beitrag? Es dürfte nur schwer zu verleugnen sein dass es durchaus auch genügend Apple-Fans gibt, die sich genauso auf die Android-Plattform abschießen. Ich will diese Gruppen jetzt gar nicht zahlenmäßig in Relation stellen, wenn sich jemand von euch die Mühe macht, das komplette Internet nach allen Techblogs zu durchforsten und die Kommentare auszuwerten kann er mir seine gewonnene Statistik gerne zukommen lassen. Es gibt Fanboys in beiden Lagern. Punkt. Ich sehe es auch nicht als “blöde” an, wenn jemand ein iPhone allein schon aus dem Grund ablehnt, da es von Apple kommt. Apple ist eine Firma mit ihren Eigenheiten. Für den einen ist es faszinierend, für den anderen paranoid. Für den einen sympathisch, für den anderen lächerlich. Eins jedoch muss man diesen Leuten, egal ob Apple-Fan oder -Gegner zugute heißen: Sie haben eine Meinung. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich.

Ich mag Gesellschaftskritik grundsätzlich, weil ich denke dass vieles heutzutage falsch läuft und einiges besser klappen würde, wenn die Menschen etwas anders handeln würden. Und ja, das Fanboytum ist so eines dieser Themen die sich hier anböten. Gesellschaftskritische Beiträge sehe ich in erster Linie dazu gedacht, dass sie die Menschen zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Umdenken bewegen. Wenn sie sich dann noch bestätigt fühlen, oder den Artikel im Allgemeinen interessant finden, schicken sie ihn vielleicht sogar weiter. So etwas verbreitet sich.

Hier wurde die Chance vertan, sich mit dem Thema objektiv in einem der größten deutschen Techblogs mit mehreren Tausend Lesern täglich auseinanderzusetzen. Fanboytum ist kein Problem der Android-Gemeinde, es ist ein Problem der modernen digitalen Welt. Dass Caschy derart einseitig über dieses Thema berichtet finde ich sehr schade. Das Thema hätte es durchaus verdient, aus einem objektiven Blickwinkel betrachtet zu werden. Gerade von Caschy, dem Technik-Fan.

Zum Schluss möchte ich mich jedoch Caschys vorletztem Absatz voll und ganz anschließen:

Lasst uns Spaß an der Technik haben. Spaß an den Zeiten, in denen wir leben.  Spaß an den Neuentwicklungen, die auf den Markt kommen. Abseits aller Patentklagen. Lasst uns über unsere Hardware doch normal sprechen. Haut damit nicht auf die Kacke. Geht anderen nicht damit auf den Sack. Du bist durch Gerät XY definitiv kein besserer Mensch.

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